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Resolution der Linken

Wir wollen Fremde zu Nachbarn machen

Der Kreistag verabschiedet eine Resolution der Linken zu Geflüchteten.

Für die letzte Sitzung des Kreistages am 4. Oktober hatten wir eine Resolution eingebracht, mit der wir ein Signal für die Aufnahme von Geflüchteten setzen wollten, die aus dem Mittelmeer gerettet werden.

„Das Oberbergische ist die Heimat vieler Menschen, deren Vorfahren aus aller Welt zu uns kamen. Wir bekennen uns zu der Verantwortung für Menschen, die vor Krieg, Hunger und Verfolgung fliehen. Daher sind wir gerne bereit, unseren Teil an Geflüchteten aufzunehmen. Mit Bestürzung sehen wir auf die Zahlen der Ertrunkenen im Mittelmeer und appellieren an die Regierungen, dafür zu sorgen, dass das Mittelmeer nicht weiter zu einem Massengrab an unseren Grenzen wird. Uns geht es gut, wir können aus Fremden Nachbarn machen.“

So lautet der vollständige Text der Resolution, die vom Kreistag mit großer Mehrheit angenommen wurde. Nur die Fraktion der AfD enthielt sich, wir hatten hier mit klarer Ablehnung gerechnet. Auch wenn die CDU versuchte, die Resolution klein zu reden, zugestimmt hat sie trotzdem, und das ist nicht nur ein kleiner Erfolg für uns – als eine der kleinen Fraktionen ist mensch ja froh über jeden kleinen Erfolg -, es ist vor allem ein Signal, dass der Oberbergische Kreis sich seiner Verantwortung gegenüber Geflüchteten bewusst ist. Ein Signal gegen die Politik von Seehofer, ein Signal gegen die Panikmache der AfD.

Hier noch die Begründung, mit der wir die anderen Fraktionen überzeugt zu haben scheinen:

„Oberberg ist Einwanderungsland. Vor 150 Jahren kamen italienische Steinbruchexperten, später sickerten polnische Namen aus dem Ruhrgebiet zu uns in den Süden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Vertriebene aus Ostpreußen, Schlesien und so weiter, dann die, die man „Gastarbeiter“ nannte, und die auch hier ihre Heimat fanden. Menschen aus Spanien, Griechenland, der Türkei. 

Dann folgten Siebenbürger Sachsen, Russlanddeutsche und als '89 die ungarische Grenze aufging, knatterten Wartburgs und Trabanten auch durchs Oberbergische. Und die Geflüchteten Anfang der 90er wurden genauso aufgenommen und zu Nachbarn gemacht, wie wir das auch 2015 wieder versucht haben. 

Es gab immer Vorbehalte. Gegen Vertriebene in den 50ern, gegen Gastarbeiter in den 70ern, gegen Russlanddeutsche Ende der 80er. Aber das Oberbergische ist immer noch da, uns geht es verhältnismäßig gut, wir leben als Nachbarn zusammen. 

Und deswegen haben wir eine Verantwortung, uns der Menschenverachtung und dem Rassismus entgegenzustellen, die immer mehr unsere Diskurse verseuchen. Menschen in Not sind keine Zahlen, sondern Menschen. Lassen Sie uns dafür ein Signal setzen.“

 

Holger Hennig