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Beispiel Bild, Moschee Innenraum, Duisburg Merkez
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Holger Hennig

Debattenbeitrag: Eine neue Moschee wäre auch eine Chance

von unserem Mitglied Holger Hennig: In Bergneustadt, so berichtete es die OVZ am ersten März, hat es ein Gespräch der Politik mit Vertretern des Moschee-Vereins und der Ditib gegeben. Ein Grund die Situation mal zu analysieren.

Die muslimische Gemeinde in Bergneustadt ist groß, ihr Gebetsraum liegt aber einigermaßen versteckt in einem alten Industriegebiet und hat eine Menge größerer und kleinerer Nachteile.

Daher gibt es seit Jahren Bestrebungen, endlich eine richtige Moschee bauen zu können, gleich mit einem Kulturzentrum zusammen, und wenn es geht, dann so groß, dass ein großer Anteil der Bergneustädter Muslime und Musliminnen auch reinpasst. Von tausend Gläubigen wird da gesprochen, klingt durchaus nach einem etwas größeren Komplex.

In Bergneustadt wird viel gebetet. Zwar wurden in den letzten Jahrzehnten zwei Kirchen, genauer gesagt eine Kirche und eine Kapelle entwidmet – was aus humanistische-atheistischer Sicht zu begrüßen ist – aber es gibt Freikirchen und christliche Sekten, die in der ganzen Stadt ihre Häuser gebaut haben. Zeugen Jehovas, Brüdergemeinde – genug konservativ-fundamentalistische Religionsausüber haben wenig Probleme gehabt, ihre Bet- und Gemeindehäuser zu bauen. Aber die große muslimische Minderheit in der Feste sitzt immer noch in ihrem Hinterhof und alle Vorstöße werden von der Politik blockiert.

Aus einer linken humanistischen Sicht heraus haben wir hier ein Dilemma. Denn natürlich wäre es zu begrüßen, wenn Religionen weniger wichtig würden, sind sie doch immer wieder ein Einfalltor für Irrationalität, für konservative bis faschistoide Gedankenwelten. Auf der anderen Seite ist das Verweigern eines brauchbaren Geländes für eine Moschee bei allen Gründen, die es geben mag, vor allem rassistisch. Und wenn von Jens-Holger Pütz (UWG) zu lesen ist, dass er ein Bürgerbegehren anstrebt – bevor irgendetwas geplant oder auch nur verabredet ist -, dann ist hier das Gedankengut der AfD nicht fern.

Natürlich bin ich kein Fan der Ditib. Aber ich bin auch kein Fan der katholischen Kirche. Aber als Demokrat und Anhänger des Grundgesetzes, muss ich unvoreingenommen sein und allen die gleichen Möglichkeiten einräumen. Ich gehe stark davon aus, dass an einem guten Freitag mehr Muslime in die Moschee gehen, als Christen in die drei katholischen Kirchen auf Bergneustädtischem Gebiet an einem normalen Sonntag. Warum also sollten die Muslime nicht genau so viel Raum haben wie St. Stephanus, St. Matthias und St. Anna zusammen? Der Grund kann nicht rational sein, der Grund ist Rassismus.

Ich bin in Bergneustadt aufgewachsen, ich bin mit vielen türkischen Kindern in Kindergarten und Schule gegangen, wenn wir es nach einem halben Jahrhundert Türken in Bergneustadt nicht geschafft haben, als Bergneustädter zusammenzuleben, dann liegt das mindestens so sehr an den deutsch- wie an den türkischstämmigen Neustädtern. Und in fact, es gibt einige Bereiche, wo das schon ganz gut funktioniert. Aber leider gibt es immer noch Parallelgesellschaften, sagt Jens-Holger Pütz. Ich vermute, er meint den Schützenverein, die Bibelschule und die UWG.

Der Stadtrat wollte keinen größeren Kaufland-Supermarkt auf dem alten Extra-Gelände an der Friedhofstraße. Momentan ist das eine sehr hässliche Brache und wartet darauf, dass endlich wieder etwas passiert. Wie wäre es denn dort mit einer schönen großen Moschee samt Kulturzentrum? Würde die Ecke sicherlich schöner machen. Und einem großen Anteil der Bergneustädter Bevölkerung das Gefühl geben, hier noch ein Stück mehr zu Hause zu sein. Eine neue schöne Moschee ist für Bergneustadt die Chance auf ein besseres Zusammenleben. Aber das muss man wollen.


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